Die meisten von uns haben es schon erlebt: ja zu sagen, obwohl wir nein meinen. In einem Gespräch zu bleiben, das uns auslaugt. Unsere eigenen Bedürfnisse beiseitezulegen, um andere nicht zu enttäuschen. Grenzen sind nichts, das wir entweder haben oder nicht haben — sie sind etwas, das wir lernen zu setzen, immer wieder, unser ganzes Leben lang. Und das beginnt damit, zu verstehen, was Grenzen eigentlich sind — und was sie nicht sind.
Grenzen sind keine Mauern — sie sind Türen
Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass das Setzen von Grenzen darum geht, Menschen auszusperren. Aber Grenzen sind keine Ablehnung. Sie sind vielmehr eine Verdeutlichung dessen, was für dich okay ist und was nicht. Die Psychologin Brené Brown beschreibt es wunderbar: „Grenzen sind das, was Liebe nachhaltig macht." Wenn wir wissen, was wir brauchen, können wir für andere auf echte Weise da sein — nicht aus Angst oder Pflicht, sondern aus Lust und Wahl.
Sich selbst Grenzen zu setzen bedeutet also nicht, Distanz zu schaffen. Es geht darum, einen Raum zu schaffen, in dem du gedeihen kannst — und andere auf deinen Bedingungen einzuladen. Das erfordert, dass du dich selbst gut genug kennst, um zu wissen, wann sich etwas falsch anfühlt. Es ist eine Fähigkeit. Und wie alle Fähigkeiten braucht sie Zeit, um sich zu entwickeln.
Warum ist es so schwer?
Viele von uns sind mit der impliziten oder expliziten Botschaft aufgewachsen, dass wir nicht zu viel Platz einnehmen dürfen. Dass unsere Bedürfnisse lästig waren. Dass nein sagen dasselbe wie egoistisch sein war. Diese Lektion setzt sich tief fest — und sie begleitet uns in unsere erwachsenen Beziehungen.
Nach der Bindungstheorie, entwickelt von John Bowlby und später erweitert von Forschern wie Mary Ainsworth, wird unsere Fähigkeit, Grenzen zu setzen, in hohem Maße durch unsere frühesten Beziehungen geprägt. Wenn wir als Kinder lernten, dass Liebe an die Bedingung geknüpft war, uns anzupassen, kann es sich im Erwachsenenalter lebensbedrohlich anfühlen, nein zu sagen — selbst wenn wir intellektuell wissen, dass es notwendig ist.
Das ist keine Schwäche. Das ist Biologie und Lebensgeschichte. Und es kann sich verändern.
So fängst du an, deine eigenen Grenzen zu spüren
Der erste Schritt ist nicht, deine Grenzen anderen gegenüber zu kommunizieren. Der erste Schritt ist, auf dich selbst zu hören. Spüre nach: Wann fühlst du dich erschöpft? Wann spürst du Unruhe in deinem Körper? Wann sagst du ja, meinst aber etwas anderes?
Grenzen sind selten eine große dramatische Konfrontation. Meistens sind sie kleine, alltägliche Entscheidungen. Zu gehen, wenn du bereit bist. Um Zeit zum Nachdenken zu bitten. Zu sagen „das funktioniert nicht für mich" — ohne dich stundenlang zu erklären.
Es geht nicht darum, hart zu werden. Es geht darum, ehrlich zu sein — zuerst dir selbst gegenüber, dann gegenüber denen, mit denen du in Beziehung stehst. Denn in Ehrlichkeit entsteht echte Nähe.
Was ist eine Situation in deinem Leben, in der du weißt, dass du eine Grenze brauchst — aber sie noch nicht gesetzt hast?
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